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Kleintiere: Vertrauen braucht Geduld

Kaninchen Meerschweinchen Kleintiere
Foto: Adobe Stock

Wer mit dem Gedanken spielt, Kaninchen oder Meerschweinchen zu Hause einziehen zu lassen, der hat oft eine Idealvorstellung vor Augen. Gerade für die Kinder wünschen sich Eltern etwa, dass eine richtige Freundschaft zwischen Kind und Heimtier entsteht. Eine solche Beziehung ist aber immer das Ergebnis von viel Geduld, genauer Beobachtung und großer Rücksichtnahme.

Der Weg, wie dieses gegenseitige Vertrauen entsteht, ist oft lang. Dunia Thiesen-Moussa ist Fachtierärztin für Tierverhalten und leitet eine tierärztliche Praxis für Kleintierverhalten. Sie erklärt, dass der Grundstein schon bei den Jungtieren gelegt werden muss: „Kaninchen und Meerschweinchen, die Vertrauen zu einem Menschen aufbauen sollen, müssen bereits im jungen Alter Kontakt zu Menschen haben. Die Annäherung erfolgt dann in kleinen Schritten und mit viel Geduld.“

Diese Sozialisierung und die gemeinsame Beschäftigung von Mensch und Heimtier ersetzen aber nicht den Kontakt zu weiteren Tieren. Ideal ist es bei Kaninchen und Meerschweinchen, wenn sie in Gruppen mit ihren jeweiligen Artgenossen leben. 

Langsame Annäherung

Grundsätzlich empfiehlt die Expertin, sich nicht hektisch zu bewegen, das Heimtier nicht anzustarren und nicht einfach von oben nach dem Kaninchen oder Meerschweinchen zu greifen. Anfangs könne es sogar sinnvoll sein, sich nur an das Gehege zu setzen und zu beobachten. „Bei der Kontaktaufnahme kann es helfen, sich die Hände vorher mit etwas benutzter Kleintierstreu einzureiben, um den vertrauten Geruch zu übernehmen. Außerdem schaffen kleine Stückchen Frischfutter Anreize, dass sich das Tier in die Nähe oder nach einiger Zeit sogar bis auf den Schoß locken lässt“, empfiehlt Thiesen-Moussa. „Anfassen sollte aber erst stattfinden, wenn die Tiere sich von selbst dem Menschen nähern.“ 

Ob die Annäherung für das Tier in Ordnung ist, lässt sich an einigen Anzeichen erkennen. So ist ein entspanntes Tier ruhig, atmet gleichmäßig und versucht weiterhin, ein bisschen die Umgebung zu erkunden. Das ist aber unbedingt von einer Angststarre zu unterscheiden, betont die Tierärztin: „Wird ein Kaninchen einfach vom Menschen auf den Schoß gesetzt oder festgehalten, verhält es sich oft still – aber leider nicht, weil es die Situation genießt, sondern weil es Angst hat. Erkennbar ist das auch an einer geduckten Körperhaltung mit angelegten Ohren und hervorstehenden Augäpfeln.“ Meerschweinchen versuchen außerdem, den Kopf drohend zu heben.

Unwohlsein erkennen

Stress und Schmerzen äußern sich noch durch weitere Symptome. Häufig liegen die Tiere flach und seitlich, die Atemfrequenz steigt und die Körpertemperatur sinkt. Die Augenlider sind dabei halb geschlossen und es kann sich ein Tränenfluss bilden. Kaninchen bewegen sich weniger oder nehmen weniger Futter und Wasser auf, wenn sie sich unwohl fühlen. Oder sie putzen plötzlich stärker ihr Fell. „Besonders bei Meerschweinchen ist es wichtig zu wissen, dass sie, anders als Kaninchen, keine Streicheltiere sind. Hier sollten gemeinsame Aktivitäten also weniger in Körperkontakt bestehen und mehr in einer beobachtenden oder anleitenden Rolle“, sagt Dr. Thiesen-Moussa. Das vertrauensvolle Verhältnis und die intensive Beschäftigung erleichtern auch die Pflege von Kaninchen und Meerschweinchen. (IVH) ←